Nachhaltige Entwicklung


3. Definition nachhaltiger Entwicklung


Nachhaltige Entwicklung stellt einen sehr heterogenen Begriff dar, der ganz unterschiedliche Dinge für unterschiedliche Personen bedeutet. Inzwischen lassen sich in der Debatte um nachhaltige Entwicklung über 100 verschiedene Definitionen des Begriffs finden. Grundsätzlich können in den Eingrenzungen von nachhaltiger Entwicklung zwei prinzipiell unterschiedliche Definitionen unterschieden werden. Eine paradigmatische Definition von Nachhaltigkeit, die in abgewandelten Variationen immer wieder auftaucht, bezieht sich auf die drei wesentlichen Bereiche ökologischer Systeme: erneuerbare Ressourcen, nicht-erneuerbare Ressourcen und die Regenerationsfähigkeit der Senken. Karl Werner Brand definiert dabei Nachhaltigkeit folgendermaßen:

„(a) die Nutzungsrate sich erneuernder Ressourcen darf deren Regenerationsrate nicht überschreiten, (b) nicht erneuerbare Ressourcen dürfen nur in dem Maße abgebaut werden, in dem ein gleichwertiger Ersatz in Form erneuerbarer Ressourcen und erhöhter Ressourcenproduktivität geschaffen wird; (c) die Rate der Schadstoffemission (einschließlich der Abfallbeseitigung) darf die Verarbeitungskapazität der Umwelt (‚carrying capacities‘) nicht überschreiten und die Lebensbedingungen der Menschen und anderer Arten nicht gefährden“.

In dieser Definition bezieht sich Nachhaltigkeit direkt auf Ressourcen und die Regerationsfähigkeit der Natur. Die Natur taucht daher explizit in der Nachhaltigkeitsdefinition auf. Eine zweite paradigmatische Definition geht auf den Brundtland Report zurück und kann als die derzeit dominante und meist gebrauchte Eingrenzung von nachhaltiger Entwicklung erachtet werden. Dort wird nachhaltige Entwicklung wie folgt definiert:

„Eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“.

In dieser Definition bezieht sich Nachhaltigkeit auf die Bedürfnisbefriedigung von Menschen im Rahmen gesellschaftlicher Prozesse. Eine Entwicklung wäre genau dann nachhaltig, wenn im zeitlichen Verlauf über die Generationen hinweg die menschliche Bedürfnisbefriedigung dauerhaft gewährleistet bliebe. In dieser Eingrenzung von nachhaltiger Entwicklung tauchen ökologische Systeme bzw. die Natur nicht explizit auf. Entsprechend wären ökologische Systeme nur dann für eine nachhaltige Entwicklung relevant und müssten in Betracht gezogen werden, wenn sie Einfluss auf die menschliche Bedürfnisbefriedigung hätten.
  
Die meisten Ansätze einer nachhaltigen Entwicklung beziehen sich heute implizit oder explizit auf die vom Brundtland Report entwickelten Definition von nachhaltiger Entwicklung. Die Eingrenzung von nachhaltiger Entwicklung als eine über die Generationen hinweg dauerhafte menschliche Bedürfnisbefriedigung wird daher derzeit im Mainstream als Konsens akzeptiert.