Ökologische Folgen des Wirtschaftswachstums

Umweltbelastungen durch das Wirtschaftswachstum erfolgen auf mehreren Ebenen. Voraussetzung für Wirtschaftswachstum durch technischen Fortschritt ist der Einsatz produktiverer Maschinen. Deren Produktion ist nur durch den Einsatz von Ressourcen möglich. Die Erhöhung der Warenproduktion mittels dieser Maschinen ist wiederum mit einer Steigerung des Ressourcenverbrauchs verbunden. Auf der nächsten Ebene ist der Verkauf des größeren Warenkontingentes mit einer Ausweitung des Transports verknüpft. Am Ende stellt jedes Produkt nach seiner Nutzung Abfall dar, der entsorgt werden muß.

Entsprechend jeder dieser Ebenen existieren Möglichkeiten, die Umweltbelastung in einem gewissen Umfang zu reduzieren. Von besonderer Bedeutung ist dabei die effizientere Nutzung der Ressourcen und hierbei wiederum vor allem der Energieträger. Nachfolgende Grafik gibt einen Überblick über den Energieverbrauch in Deutschland von 1990 bis 2000:

(Quelle: Statistisches Bundesamt: Umweltdaten Deutschland 2002)

Trotz des Wirtschaftswachstums in diesem Zeitraum ist der Energieverbrauch sogar zurück gegangen. Nicht selten wird dies als Beweis dafür verwendet, daß eine Entkoppelung von Wachstum und Umweltbelastung möchlich ist. Schaut man sich jedoch die Verteilung des Energieverbrauchs nach den Energieträgern genauer an, gerät diese Annahme ins Wanken:

(Quelle: ebd.)

Hauptursache der Energieeinsparungen ist die Stillegung der ineffizienten Kohlekraftwerke, vor allem der veralteten Braunkohlekraftwerke in der ehemaligen DDR. Die dadurch erzielte Einsparung beläuft sich auf 1654 PJ. Der Einsatz von Erdöl und Naturgas ist in diesem Zeitraum sogar gestiegen. Außerdem sind die Energieverluste in Kraftwerken und Raffinerien nach wie vor mit 3886 PJ sehr hoch. Durch die Steigerung des Wirkungsgrades der Kraftwerke ließen sich erhebliche Einsparpotentiale mobilisieren. Leider halten sich die Kraftwerksbetreiber gerade hier mit Investitionen zurück.

Dennoch, selbst wenn allzu optimistische Einschätzungen der Entwicklung in den vergangenen 10 Jahren sicherlich übertrieben sind, das Wirtschaftswachstum steht nicht mehr in einem direkten Zusammenhang mit dem Wachstum der Umweltbelastung. Das eher moderate Wachstum von etwa zwei Prozent pro Jahr konnte durch die Effizienzsteigerung größtenteils kompensiert werden. Allerdings kann auch dieser positive empirische Befund nicht darüber hinweg täuschen, daß der Energieverbrauch in Deutschland immer noch viel zu hoch ist. Die Klima-Enquete-Kommission hatte 1995 empfohlen, den Energieverbrauch bis 2000 auf etwa 12.500 PJ zu reduzieren, bis 2010 sogar unter 12.000 PJ. In Anbetracht der momentanen Forderungen nach einer Ausweitung des Wirtschaftswachstums erscheint dies kaum möglich.