Nachhaltige Entwicklung



1. Historische Entwicklung der ‘ökologischen Frage’


Die sogenannte ‚ökologische Frage’, das heißt die Frage nach einer durch den Menschen verursachten ökologischen Krise, ihrer Ursachen und ihrer Lösungen wird bereits seit längerer Zeit diskutiert. Die Geburtsstunde der neueren Umweltbewegung wird meist auf das Erscheinen von Rachel Carsons Buch ‚Silent Spring‘ im Jahr 1962 datiert. In diesem Buch dokumentiert Carson die Umweltvergiftungen durch chemische Verschmutzungen und sagt einen ‚stummen Frühling‘ voraus, da alle Vogelarten aufgrund der Verseuchung durch Pestizide ausgerottet sein würden. Von diesen Anfängen ausgehend entwickelte sich eine weitreichende Debatte um die ökologische Krise und eine Umweltbewegung als Reaktion auf diese Krise.

Als wesentlicher Auslöser für eine zunehmende Verbreitung der Debatten um die ‚ökologische Frage’ muss der Bericht an den Club of Rome betrachtet werden, der in einem Weltmodell der Simulation globaler Trends ein ökologisches Krisenszenario entwirft und mit seiner These der Grenzen des Wachstums eine Position vertritt, welche den argumentativen Hintergrund für die Debatte um die ökologische Krise bildet. Im Bericht an den Club of Rome wird argumentiert, dass innerhalb einer endlichen Welt grundsätzlich kein grenzenloses Wachstum möglich sei. Die momentane sozioökonomische Entwicklung beruhe aber auf einem exponentiellen Wachstum, das prinzipiell früher oder später an seine physischen Grenzen stoßen müsse. Demzufolge wäre ein radikaler Wandel der sozioökonomischen Strukturen notwendig, um die Überschreitung der Grenzen des Wachstums, welche zu einem Kollaps globaler Ökosysteme führen würde, zu verhindern.
Auf Grund solcher globaler Weltmodelle wie dem Bericht an den Club of Rome  wurde von einem globalen Katastrophenszenario ausgegangen, das nur verhindert werden könnte, wenn weitgehende Veränderungen durchgeführt werden würden. Von dieser Argumentation ausgehend wird daher von der Existenz einer ökologischen Krise ausgegangen, auf die reagiert werden müsse, um vorhergesagte Katastrophenszenarien zu verhindern. Als Reaktion auf solche Szenarien entwickelten sich daher unterschiedliche Ansätze ökologischer Theorien, die auf ganz verschiedene Weise anstreben, die ‚ökologische Frage’ zu beantworten.
Radikalere Ansatze argumentieren im Anschluss an den Club of Rome und die These der Grenzen des Wachstums für radikale gesellschaftliche Strukturveränderungen, welche von einer Preisgabe des Industrialismus und von einem Nullwachstum ausgehen müssten. Moderatere Ansätze fordern dagegen ökologische Strukturreformen und gehen von einer prinzipiellen Vereinbarkeit von Industrialismus und Ökologie sowie von Wachstum und ökologischer Nachhaltigkeit aus. Die meisten Positionen der nachhaltigen Entwicklungen stehen in der Tradition solcher eher moderateren Ansätze.