Nachhaltige Entwicklung


6. Thesen


1. Durch seinen konsens- und reformorientierten Charakter – vor allem durch die Annahme der Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Wachstum – konnte das Konzept der nachhaltigen Entwicklung sowohl in die breite Öffentlichkeit als auch in die nationale und internationale Politik eindringen. Nachhaltige Entwicklung wurde so zu einem sektorübergreifenden Ansatz, der idealerweise alle Politikfelder durchdringen soll.

2. Nachhaltige Entwicklung beschreibt ein diffuses, vages und ungenau eingegrenztes Konzept, das vielseitig interpretierbar ist. Nachhaltige Entwicklung wird so zu einem zunehmend inflationär gebrauchten Terminus, den alle akzeptieren, der aber vollkommen unbestimmt bleibt. Der Begriff ist gerade deshalb so populär, weil es so vage und diffus bleibt. Solange nicht eindeutig sei, was nachhaltige Entwicklung konkret bedeuten soll, gibt es praktisch niemanden, der oder die sich offen für Nichtnachhaltigkeit aussprechen würde. Nachhaltige Entwicklung muss daher vor allem als ein Leitbild, als eine abstrakte Leitlinie betrachtet werden, die integrativ wirkt.

3. Nachhaltige Entwicklung stellt vorrangig ein technokratisches und managementorientiertes Konzept dar. Umweltprobleme sollen vor allem durch Technologien und durch effizienteres Management gelöst werden.

4. Obwohl nachhaltige Entwicklung einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Umweltzerstörungen darstellt, reproduziert es letztlich genau jene Strategien und gesellschaftlichen Praktiken, die selbst Umweltprobleme verursachten. Langfristig bleibt es deshalb fraglich, ob nachhaltige Entwicklung wirklich als eine angemessene Antwort auf die ökologische Frage betrachtet werden kann.

5. Obwohl die Umweltpolitik bereits Erfolge erzielen konnte, nimmt der Einfluss der Umweltpolitik eher ab. Im Zuge von Globalisierungsprozessen und der Transformation der Staaten in Wettbewerbsstaaten wird die Umweltpolitik zunehmend standortpolitischen und ökonomischen Erwägungen untergeordnet. Umweltpolitik wird oft als Standortnachteil empfunden. Die steht allerdings der Prämisse von nachhaltiger Entwicklung entgegen, wonach ökologische Nachhaltigkeit und ökonomisches Wachstum vereinbar sein sollten.