Die Klimadebatte

Wie sicherlich kein anderes Thema hat die Debatte über die Klimaveränderung den ökologischen Diskurs in den 90er Jahren bestimmt. Mit aufwendigen, computergestützten Simulationen wiesen Klimatologen wie Hartmut Graßl, Peter Hennicke oder Christian Schönwiese nach, daß der sogenannte Treibhauseffekt sich verstärkt, die Atmosphäre der Erde sich in den vergangenen 200 Jahren seit der industriellen Revolution meßbar erwärmt hat. Die Ursache dieser Erwärmung wurde auf den Ausstoß von klimarelevanten Gasen durch die industrielle Produktion zurück geführt. Insbesondere das Kohlendioxid, das bei allen Verbrennungsprozessen entsteht, scheint einen erheblichen Einfluß auf die globalen Durchschnittstemperaturen zu haben.

Mit der Entdeckung des Treibhauseffektes erhielt die Ökologie-Debatte eine neue Qualität. Denn erstmals schien der Mensch in der Lage zu sein, auch ohne einen globalen Atomkrieg die Ökosphäre derart zu schädigen, daß menschliches Leben auf diesem Planeten fast unmöglich wird. In Anbetracht dieses Bedrohungsszenarios schlossen sich die meisten Regierungen dieser Welt in einem Klimabündnis zusammen. In Rio de Janeiro wurde 1992 eine Klima-Konvention verfaßt, in der sich zumal die Industrienationen verpflichteten ihre Emissionen erheblich zu reduzieren. Doch bereits in der ersten Konferenz der Vertragsstaaten 1995 in Berlin zeigte sich, daß viele Regierungen nicht bereit waren, sich an die Verpflichtungen zu halten. Anstatt konkrete Programme zu entwickeln, wie sich die industrielle Produktion soweit drosseln läßt, daß der Anstieg der Treibhausgase signifikant zurück geht, wurden weitere Studien gefordert, die den durch Menschen gemachten Temperaturanstieg wirklich beweisen sollen. Ziel der Forderungen war jedoch weniger der Nachweis des antrophogenen Treibhauseffektes, als die Diskreditierung der bisherigen Studien. Entsprechend wurden in den späten 90er Jahren mehrere Untersuchungen vorgelegt, in denen die Erwärmung auf natürliche Ursachen, wie z. B. erhöhte Sonnenaktivitäten, zurück geführt wurde.

Gegenwärtig sind umweltpolitische Maßnahmen zur Reduzierung des Treibhauseffektes völlig zum Erliegen gekommen. Außerdem scheint die wirtschaftliche Rezession der vergangenen Jahre ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum, damit verbunden einen erhöhten Ausstoß klimarelevanter Gase, als dringend erforderlich zu erweisen. Der global größte Umweltverschmutzer, die USA, hat sich sogar ganz aus den Verhandlungen zurück gezogen und forciert das Wirtschaftswachstum im eigenen Land. Der politischen Untätigkeit stehen auf der anderen Seite immer häufiger auftretende Wetteranomalien, wie Überschwemmungen, Stürme Hitze- oder Kälteperioden, gegenüber, die nicht selten Milliardenschäden verursachen, ganz zu schweigen von den Todesopfern unter den Bevölkerungen der betroffenen Regionen.

Die eine Position, daß nicht der Mensch das Klima ändert, sondern die zu beobachtende Erwärmung natürliche Ursachen hat, verschafft den Hauptverursachern des Treibhauseffektes, den fortgeschrittenen Industrienationen, eine Atempause sowie moralische Legitimation für ihre umweltpolitische Untätigkeit. Allerdings ist die Menschheit den zu erwartenden Katastrophen, die die globale Erwärmung mit sich bringen wird, dann schlicht ausgeliefert. Die reichen Länder können zwar ihren Katastrophenschutz ausbauen, um größere Schäden zu vermeiden, doch verhindern lassen sich diese nicht. Die armen Länder sind den Naturkatastrophen dagegen hoffnungslos ausgeliefert.

Falls dagegen die andere Position richtig ist, daß die Menschheit also durch den Ausstoß von Treibhausgasen das Klima ändert, bestünden Handlungsmöglichkeiten, um die Katastrophen zu verhindern oder zumindest in ihrem Ausmaß abzuschwächen. Durch Emissionsverordnungen könnte die Industrie gezwungen werden, den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Wenn die Reduktionsziele erreicht werden, würde sich der Treibhauseffekt abschwächen oder gar gänzlich zum erliegen kommen. Dann wären für die Industrienationen die Investionen in den Katastrophenschutz nicht erforderlich und die armen Länder müßten nicht mit unvermeidlichen Naturkatastrophen rechnen. Allerdings wäre dafür eine Umweltpolitik erforderlich, die dem wirtschaftlichen Wachstum enge Grenzen setzt und sich nicht scheut, den Unternehmen mit klaren Forderungen gegenüber zu treten.