Nachhaltige Entwicklung



4. Grundkonzepte von nachhaltiger Entwicklung


Zunächst wird im Konzept der nachhaltigen Entwicklung Nachhaltigkeit als ein mehrdimensionales Konzept betrachtet. Es umfasst nicht nur die Komponente einer ökologischen Nachhaltigkeit, sondern muss darüber hinaus auch ökonomische und soziale Aspekte beinhalten. Nachhaltige Entwicklung wird daher in einem Dreieck mit einer ökologischen, einer sozialen und einer ökonomischen Dimension verortet.

Nachhaltigkeitsdreieck

Im Anschluss an den Brundtland Report strebt das Konzept der nachhaltigen Entwicklung eine Reform der ökonomischen und sozialen Strukturen an, welche eine ökologische Nachhaltigkeit in das bestehende Wirtschafts- und Gesellschaftssystem integriert. Während der Club of Rome von Grenzen des Wachstums ausging, aufgrund derer Wachstum und ökologische Nachhaltigkeit als unvereinbar galten, strebt das Konzept der nachhaltigen Entwicklung an, ökologische Nachhaltigkeit und ökonomisches Wachstum zu vereinbaren. Wachstum und Nachhaltigkeit stellen also keinen Widerspruch dar. Dennoch wird akzeptiert, dass Umweltprobleme existieren und Grenzen zu beachten sind. Diese Grenzen sind aber keine Grenzen, welche sich aus Ökosystemen ergeben, sondern es sind soziale Grenzen von Gesellschaft und Technik. Dazu der Brundtland Report:


“Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung impliziert Grenzen – keine absoluten Grenzen, sondern Grenzen, die sich aus dem derzeitigen Stand der Technologie und der sozialen Organisation von Umweltressourcen ergeben. Aber Technologie und soziale Organisation können gemanaged und verbessert werden, um eine neue Ära des ökonomischen Wachstums zu beginnen“

Während in der These der Grenzen des Wachstums des Berichts an den Club of Rome die Natur als begrenzender Faktor erachtet wurde, weshalb von absoluten Grenzen ausgegangen werden musste, stellt gemäß des Brundtland Reports die Gesellschaft die beschränkende Variable dar, welche durch Fortschritt beeinflusst werden kann. Nicht die Natur beeinträchtigt also die Möglichkeit von Wachstum, sondern Technologie und gesellschaftliche Organisation beschränken Wachstumsprozesse. Statt für die Anerkennung der Grenzen des Wachstum wird somit im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung für ein Wachstum der Grenzen argumentiert.

In Konzepten der nachhaltigen Entwicklung werden verschiedene Methoden entwickelt, wie die gesellschaftlich-technologische Grenzen des Wachstums weiter ausgedehnt werden könnten, um ökonomisches Wachstum und nachhaltigen Entwicklung in Einklang zu bringen. Diese Methoden lassen sich in fünf Strategien zusammenfassen:

Erstens wird zum Erreichen eines nachhaltigen Wachstums eine Effizienzrevolution angestrebt. Ziel einer Effizienzrevolution ist es, mit weniger Einsatz von Ressourcen und Energie mehr leisten und produzieren zu können. Der Ressourcenverbrauch wird so nicht durch weniger Wachstum, sondern durch mehr Effizienz vermindert, weshalb am Wachstum selbst festgehalten werden kann.

Eng mit Effizienzstrategien zusammenhängend wird als zweites Instrument zur Realisierung eines nachhaltigen Wachstums von der Möglichkeit technologischer Innovationen ausgegangen. Neue Technologien und verbesserte bisherigen Techniken sollen zu weniger Naturverbrauch, zu vermindertem Energiebedarf und zu geringeren Abfallmengen führen.

Als drittes Instrument der Entkoppelung von Wachstum und Naturverbrauch wird ein globales Umweltmanagement vorgeschlagen. In einem solchen globalen Management wird angestrebt, Ressourcen und Schadstoffverteilungen durch globale Regulation nachhaltig zu managen, indem ihre Nutzung und die Emissionsverteilungen rational wissenschaftlich geplant und gesteuert werden.

Viertens wird eine Strategie der Dematerialisierung des ökonomischen Systems angestrebt. Eine ökologisch reformierte Ökonomie mit einem qualitativ veränderten Wachstum würde zunehmend Dienstleistungen und Informationen als Produkte handeln und die materielle Produktion auf einem nachhaltigen Niveau belassen. Ökonomisches Wachstum wäre dann vor allem Wachstum im Dienstleistungs- und Informationssektor, bei dem keine Zunahme des Energie- oder Ressourcenverbrauchs nötig wäre und das kein Anstieg des Emissionsausstoßes nach sich ziehen würde.

Fünftens schließlich wird im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung eine ökologische Reform des ökonomischen Systems gefordert. Eine solche Reform soll unter Rückbezug auf Ansätze der neoklassischen Umweltökonomie erfolgen, in denen angestrebt wird, die Übernutzung der Natur in die ökonomische Theorie zu integrieren. Die ökonomische Nutzung der Natur soll dabei durch eine Strategie der Internalisierung von Externalitäten reguliert werden, damit die Preise der Produkte die ‚ökologische Wahrheit‘ sagen.